Das Jahresrad der Kelten: SamhainWie aus Samhain Allerheiligen und Halloween wurde: Der Ursprung
Samhain oder Samain, Fest der Kelten, Jahresbeginn, heute Halloween. Die Historie eines Jahreskreisfestes der Kelten und Germanen.
Samhain oder Samain, eigentlich ein Fest der Kelten – heute Halloween genannt. Der Ursprung liegt in den Jahreskreisfesten, dem Jahresrad, welches für den steten Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen steht, vielerlei Feste zu Ehren der Natur innerhalb dieses Kreislaufes beinhaltet. Die GrundlagenOhne den Wandel von Sonne und Mond durch den Tierkreis, ohne die Jahreszeiten lässt sich die Pflanzenwelt nicht verstehen. Pflanzen wachsen im Einklang mit dem Jahreskreis. An diesem orientierten sich die Kelten und somit auch ihre Gottheiten. Die keltischen GötterSich auf eine Anzahl von jeweils zuständigen Göttern festzulegen, ist schwer, varierten diese doch in den Regionen, war doch jeder Baum heilig; Überlieferungen sind knapp, Schriften der Römer nicht unbedingt als objektiv zu betrachten. Über tausend Götternamen sind bekannt; die unterschiedlichen Bezeichnungen erleichtern Forschungen nicht: So hiess die "Große Göttin" bei den Inselkelten Morrigan, Cernunnos wurde in Irland Donn oder Dagda genannt und zu allem Überfluß wechselten die wichtigsten beiden Götter im Jahreskreis Namen und Gestalt. Sonnengott Belenus und seine Blumengöttin wurden im Herbst zu Lugus und Anona, im Winter zum Totengott Samhain und der schwarzen Göttin Morrigan, im Frühling zu Brigid und dem Bären. Der Rückzug der Natur als JahresbeginnWerden, Wachsen, Vergehen – letztlich entgegen dem, was wir heute feiern. Während im Herbst für uns das Jahr zuende geht, sahen die Kelten in dieser Zeit den Anfang: Samhain war der Beginn des Jahres, das Vergehen, welches das neuerliche Wachsen beinhaltet. Zum "Vollmond des Jägers" feiert der dunkle Gott Samhain den Antritt seiner Herrschaft. Er erlegt den Sonnenhirsch Cernunnos, raubt dessen Gattin, verschleppt sie in sein Reich. (Vgl. den Mord Baldurs durch Loki, die Göttin Hel bei den Germanen). Dort herrscht sie nun als Totengöttin, zurückgezogen in die Unterwelt, in die Wurzeln, so, wie die Natur. Wurzelzeit, Zeit zum Denken, Zeit, neue Kräfte zu sammeln, um im Frühjahr mit neuer Kraft neues Leben zu zeigen. Aus diesen Gedanken spricht die Naturverbundenheit dieses Volkes, die ihr Leben komplett nach dem natürlichen Rhythmus ausrichteten. Cernunnos aber herrscht nunmit in der Anderswelt über alle Seelen und Lebewesen, die dort versammelt sind, bis er zu Frühlingsbeginn wiedergeboren wird (vgl. Auferstehung). SamhainDas Jahr der Kelten begann nicht mit Neujahr sondern bereits in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Die Inselkelten nannten dieses Fest Samhain. Ein Schwellen-Fest, denn nach keltischem Glauben stand die Zeit still, andererseits die Tür zur Anderswelt, zur Welt der vorübergehend abgeschiedenen Toten, offen. So konnten die Ahnen nächtliche Besuche bei den lebenden Verwandten machen; zugleich musste man sich vor unliebsamen Besuchen schützen. Ursprünglich ist Samhain nicht auf dieses Datum festgelegt, sondern wurde von Germanen und Kelten am 11. Vollmond des Jahres gefeiert, zu Beginn des Novembers, dem Nebelmond. (Die Germanen feierten nicht Samhain, sondern den Wintermond, den Beginn, für sie begann das Jahr mit Jul) In dieser Nacht soll der Schleier der beiden Welten am dünnsten sein, die Trennung zwischen physikalischer und spiritueller Realität aufgehoben; nicht umsonst gilt Samhain als Zeit der dimensionalen Öffnung, opportun für Beschwörung, Legungen und Riten, aber auch um in die Zukunft zu schauen. Der Wandel des FestesIm Rahmen der Christianisierung wurde aus Samhain Allerheiligen, genauso, wie die Kirche im Hexenwahn und im Kampf gegen das vermeintliche Heidentum alle weiteren Festtage der heidnischen Völker, des einfachen Volkes ausmerzen wollte und umbenannte. In diesem Zusammenhang ist vielleicht der Hinweis interessant, dass auch zahlreiche Heilpflanzen, die von Weisen Frauen und Heilerinnen genutzt worden sind, vom Christentums umbenannt worden sind: Aus magischen Namen wurde rasch ein Marienkraut, aus anderen Hexenkraut, Tollkirsche etc. Nomen = Omen?Zwar hat die christliche Kirche den keltischen Gott Samhain zu einem rachsüchtigen und unheilvollen Gott der Toten gemacht, um die heidnische Religion noch stärker zu dämonisieren. Dennoch symbolisiert Samhain Triumph des Lebens über den Tod: Die Einläutung der dunklen Zeit birgt den Neuanfang. Samhain als Beginn, der Tod als Möglichkeit zur Neugeburt - die Kelten hießen das neue Jahr willkommen, fast ähnlich den heutigen Neujahrsvorsätzen: Sie schlossen negative Kapitel des vergangenen Jahres ab - kein Symbol der Trauer, sondern der Freude und des Überflusses. (Was spätere „Neu-Heiden” zu seltsamen Spekulationen animierte!) Die Folgen des Festes, die Neugeburt des LichtesNach Samhain sind alle Pflanzen tabu, Kräuter dürfen nicht mehr gepflückt, nicht mehr geerntet werden: Sie gehören den Geistern und der Herrschaft der Unterwelt. Mit Samhain beginnt die Herrschaft der Unterwelt bis Jul, Weihnachten, wenn die Geburt des Lichtes erneut erfolgt: In der Mutternacht, heute Thomasnacht (auch diese Umbenennung eine Folge des Klerus), beginnen die zwölf Rauhnächte und siegt das Licht über die Dunkelheit. Es ist die längste Nacht des Jahres, von nun an werden die Nächte kürzer, das Licht kehrt zurück, das Werden beginnt. Genaugenommen eine nachvollziehbare Philosophie. Traditionen aus allen ZeitenTraditionell wurde ein Feuer entzündet, welches dann gelöscht worden ist. Man suchte das Haus auf, da man Angst hatte vor den Geistern. Im Hause selbst wurden alle Lichter entzündet, auch vor den Türen, Fenstern, wollte man doch den Toten den Weg zeigen, stellte zur Stärkung Nüsse und Brot heraus, auf dass sie dann gestärkt weiterziehen mögen, ohne Unheil zu bringen; zudem natürlich auch, um sie wohl zu stimmen, zu ehren. Später wurde die Tafel mit weiteren Gedecken bestückt, für jene, die nicht mehr am Leben waren, im Angedenken. Eine Gans wurde geopfert, die Gesetze des Alltags galten als aufgehoben, Orakel und Ratespiel wurden gespielt. In den keltischen Gegenden Brittaniens wird noch immer ein Samhainfeuer entfacht. Zum Schutz vor bösen Geistern hängte man Kräuter an das Tor und räucherte: Beifuß zum Beispiel, zum einen, um die Sensibilität zu unterstützen (Beifuß gilt als schamanische Pflanze), zudem, um schlechte Geister fernzuhalten. Man kehrte die Ecken und Winkel, nichts durfte unordentlich sein, denn dies bot Platz für Alben, die sich dort einnisten könnten, versteckt im Schmutz. Aus diesem Grunde später auch der Besen vor der Tür. Weiße Wäsche durfte nicht aufgehängt werden, damit die Toten sie nicht als Leichentuch an sich nehmen könnten - dies bringt Unheil, Krankheit und Tod, so der Volksglauben. Die späteren TraditionenKürbis, trick-or-treat und Halloween haben genaugenommen gar nichts mit dem eigentlichen Fest zu tun. Allerheiligen wurde zur christianisierten Form eines traditionellen und sehr alten Festes; aus Amerika kam die Modifizierung. *Nebelmonat, Nebelmond und der durch von Pfister-Schwaighusen 1893 erfundene Nebelung weisen auf den Nebel in dieser Zeit hin. Es handelt sich aber dabei nur um eine Übersetzung von französisch "brumaire". Anmerkung:Sich heutzutage mit der Geschichte der Kelten und Germanen zu befassen, scheint ein zweischneidiges Schwert: Neoheidentum, vermeintliche Hexenbewegungen, Wicca und rechtsradikale Gruppen interpretieren Kelten- und Germanentum demokraphisch, nutzen alte Mythen für eigene Zwecke. Hier gilt es zwischen wissenschaftlicher Forschung, Ethnologie, ernstzunehmenden Quellen und Mutmaßungen oder populistisch geprägten Trends zu unterscheiden. Die unten aufgeführten Quellen stehen für belegte wissenschaftliche und seriöse Forschung; die Autorin geht mit keiner der aufgeführten Gruppen konform, sondern legt wert auf eine historische Betrachtung. Quellen, weiterführende Informationen
Der Artikel Das Jahresrad der Kelten: Samhain in Westeuropäische Geschichte unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Das Jahresrad der Kelten: Samhain ist Barbara Schuhrk.
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